Sicherheitsforum March vom 29. Mai 2026 / Die Polizei braucht mehr Ressourcen

Presseartikel_SiFo_Marchanzeiger vom 01.06.2026

Die Polizei braucht mehr Ressourcen

Die Sicherheit steht im Fokus an dem von der SVP March organisierten Anlass am Freitagabend in Wangen mit hochkarätigen Referenten. Vertreter der Justiz und Kantonspolizei geben spannende Einblicke, als weiterer Gast bewirbt der Autor Frank Urbaniok sein neues Buch.

Volles Haus in Wangen.

Zahlreiche Interessierte strömen am Freitagabend zum «Sicherheitsforum March» in die Buechberghalle, wo die SVP March im Rahmen ihres 20-Jahr-Jubiläums einen spannenden Vortragsabend auf die Beine gestellt hat. Souverän moderiert von Angela Ruoss, Präsidentin der Bezirkspartei, geben sich der Schwyzer Regierungsrat und Sicherheitsdirektor, Xaver Schuler, sowie drei hochkarätige Referenten die Ehre. Schuler bekundet seine Freude darüber, dass trotz des Wetters so viele gekommen seien. Es grassiere eine «Seuche der Gleichgültigkeit » gegenüber dem Thema, sagt er.

Die Sicherheit aber sei «eine der wichtigsten Aufgaben des Staates».

Aus drei Blickwinkeln betrachten

Der Anlass will die Themen Sicherheit und Kriminalität im Zusammenhang mit der Migration aus drei verschiedenen Blickwinkeln betrachten, wie der Flyer des Anlasses informiert. Die geladenen Redner sind Ruedi Beeler, Strafgerichtspräsident des Kantons Schwyz, Bruno Suter, Kommandant der Schwyzer Kantonspolizei, sowie Frank Urbaniok, forensischer Psychiater und einstiger Chefarzt des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes des Kantons Zürich. Der aus Deutschland stammende Urbaniok tritt heute als Autor in Erscheinung und bewirbt an dem Anlass sein neues Buch.

Ruedi Beeler macht den Auftakt mit einem Überblick über den Aufbau der Justiz im Kanton Schwyz. Als Präsident des Strafgerichts, das zugleich Jugendund Zwangsmassnahmengericht ist, hat er einen ansehnlichen Aufgabenbereich zu beaufsichtigen. Das Strafgericht ist die erste Instanz für schwere Strafsachen. So zumindest sollte es sein: Mit Beispielen illustriert Beeler eine der heutigen Herausforderungen: «Das Strafgericht wird immer häufiger eingesetzt, um zivilrechtliche Angelegenheiten zu lösen», wofür es nicht zuständig sei. «In unserer Gesellschaft wird viel und schnell kriminalisiert», sagt er. «Die Justiz kann nicht alle gesellschaftlichen Probleme lösen.» Das Jugendgericht habe zwischen 500 bis 600 Straftaten pro Jahr zu behandeln. Bei den Erwachsenen befasse es sich zu rund 80 Prozent mit Männern, der Frauenanteil liege bei rund 20 Prozent. Die Mehrheit der Fälle betreffe Personen unter 40 Jahren. Der Anteil der Ausländer liege seit Jahren konstant zwischen 40 und 60 Prozent. Zu den Herausforderungen betreffend straffällige Ausländer gehöre, dass Personen nicht ausgeschafft werden könnten, weil nicht bekannt ist, woher sie stammen oder die Länder sie nicht zurücknähmen.

Polizei am Limit

Als Höhepunkt des Abends erweist sich der Auftritt von Bruno Suter, Kommandant der Kantonspolizei Schwyz. Auch er beginnt mit einem Überblick. Die allgemeine Aufrechterhaltung der Sicherheit und Ordnung, die Vorbeugung, Ermittlungen im strafrechtlichen Bereich, Hilfeleistung für die Bevölkerung in Not und Ansprechfunktion im Fundwesen stehen auf der Aufgabenliste der Polizei.

Bevor Suter auf die Herausforderungen zu sprechen kommt, präsentiert er Zahlen, die einiges vorwegnehmen. So liege der Anteil der Polizisten im Kanton Schwyz bei 155 pro Hunderttausend Einwohner. In der gesamten Schweiz liege er bei 210, in Europa bei 341. Die Zahl von 38 000 Notrufen führe zu 21 000 Einsätzen pro Jahr, Tendenz steigend. Die Zunahme der Polizeieinsätze in den letzten zehn Jahren betrage rund 40 Prozent. Vermehrt müssten Pikettkräfte eingesetzt werden, manchmal müsse priorisiert werden.

Auch Suter beklagt, dass sich die Polizei immer mehr mit zivilrechtlichen Fällen oder Bagatellen beschäftigen muss, obwohl er dieses Wort wohl aus Respekt vor der Bevölkerung nicht in den Mund nimmt. Streitigkeiten bei Kindsübergaben oder im Besuchsrecht nennt er als Beispiel und sagt: «Es macht mich nachdenklich, dass unsere Gesellschaft solche Dinge nicht mehr ohne Polizei schafft.» Die Straftaten seien im vergangenen Jahr gesunken, in den letzten drei Jahren aber gestiegen. Eine Grafik zeigt, dass die Kurve der ausländischen Beschuldigten seit drei Jahren über der der Schweizer liegt.

Den Herausforderungen der digitalen und organisierten Kriminalität könnte Suter mehrere Vortragsabende widmen. Die Straftaten gegen das Betäubungsmittelgesetz sind ein weiteres Beispiel. Als Konsequenz heisst dies für die Kapo Schwyz, dass sie immer weniger präventive Arbeit und agierende Kontrollen durchführen könne. Wichtige Ermittlungsarbeit bliebe liegen. Suter verkörpert seine Aufgabe mit Leib und Seele. Sein Auftritt ist nicht zuletzt ein Plädoyer für eine Aufstockung des Polizeipersonals. Er erhält besonders grossen Applaus. Auf die Frage aus dem Publikum, warum es nicht mehr Personal gibt, springt der Sicherheitsdirektor Xaver Schuler auf und eilt seinem Kommandanten zu Hilfe. Die Frage stelle sich immer wieder neu (diese Zeitung berichtete), häufig werde der Ruf nach Ressourcen aus finanziellen Gründen abgewiesen.

Zweifelhafte Zahlenreihen

Es folgt der Verkaufsteil des Abends. Frank Urbaniok stellt sein Buch «Schattenseiten der Migration: Zahlen, Fakten, Lösungen» vor. Urbaniok setzt die polizeilich registrierten Tatverdächtigen einer Nationalität ins Verhältnis zu deren Anteil an der Wohnbevölkerung und erstellt daraus einen Risikoindex und eine Rangliste, welche Nationalitäten häufiger als Tatverdächtige erfasst werden. So kommt er auf teils horrende Zahlen, jedoch zweifeln Fachleute und Kriminologen seine Arbeit als methodisch fragwürdig an. Urbaniok weist die Kritik in seiner Rede als «falsch» zurück, unangenehm fällt aber auf, dass er Kritiker mit ausgewählten Zitaten lächerlich macht und über Personengruppen wie Sozialarbeiter oder die Justiz, von der einer der höchsten Vertreter des Kantons vor ihm sitzt, abfällige Bemerkungen macht.

Seine Zahlen dienen Urbaniok dazu, Nationalitäten einem Versicherungsvertreter gleich in Risikoklassen einzuteilen. Als Lösung empfiehlt er unter anderem eine Kontingentierung. Als Grund für das Fehlverhalten bestimmter Gruppen diagnostiziert Urbaniok eine «kulturelle Prägung». Diese Prägung gehe auch mit dem Schweizer Pass nicht verloren. Dies zeige sich in der Übervertretung von Beschuldigten mit Migrationshintergrund, auch wenn diese in dritter oder vierter Generation im Land lebten. Eine interessante These für den Angehörigen eines Staates, dessen kulturelle Prägung vor wenigen Generationen ebenfalls nicht vorbildlich war.

Ein informativer Abend neigt sich dem Ende zu. Das Sicherheitsforum hat gezeigt, dass der Kanton an der Spitze des Strafgerichts und der Polizei hervorragende Fachleute hat, geführt von einem Sicherheitsdirektor, der sich vehement für seine Leute einsetzt. Wenn es an etwas fehlt im Kanton, dann an Ressourcen für die Polizei. Das wird diskussionswürdig bleiben. Doch gegen 22 Uhr darf Angela Ruoss erst einmal zum Apéro bitten.

«Die Justiz kann nicht alle gesellschaftlichen Probleme lösen.»

Ruedi Beeler

Strafgerichtspräsident Kanton Schwyz

Die Gastredner Frank Urbaniok, Bruno Suter und Ruedi Beeler neben Sicherheitsdirektor Xaver Schuler (v. l.). Bild: Rafael Muñoz

 

 

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